Nowigrad/Silberstein - Ein Privathaus mit Büro

Einst war Nowigrad ein Teil Redanien, lange Zeit konnte die größte Stadt der Welt und zweifelsohne auch die reichste den Status einer freien Handelsstadt halten, nach den letzten Kriegen aber ist sie wieder mehr oder weniger inoffiziellen zur Hauptstadt der freien Nordländer, vor allem Redaniens geworden seit Dijkstra als Regent von hier aus die Fäden zieht.
Als Heimat des Kults des Ewigen Feuers hat in der Stadt allerdings auch das Wort des Hierarchen Gewicht.
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Vyacheslav Sokolov
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Er konnte sich noch daran erinnern wie sie angegriffen hatten, dann wurde es unpräzise.
Manchmal war da ein Gesicht, manchmal er Eindruck von etwas, dass ihm in dem Moment aufgefallen war, das Wappen auf einem Wams, die Naht an einem Zelt, ein Fleck, eine Waffe... Details und Nahaufnahmen aber nichts Ganzes.
Er runzelte die Stirn als Jarel berichtete.
Er wollte es noch damit abtun, dass er einfach schon zu viel gesehen hatte, dass er für solche Dinge einfach mittlerweile ein echt schlechtes Gedächtnis hatte und vielleicht war das auch einfach seine Strategie, sich vor zu viel Schrecken zu schützen, indem er solche Bilder schnell ausblendete.
Aber was er die letzte Zeit erfahren hatte zeichnete ein anderes Bild, dass er nicht so recht akzeptieren wollte.
Es gab viele Erklärungen.
Er kannte es nur so.
Wie oft war das schon so gewesen?
Oft, sehr oft, in der Zone.
Er hatte sich damit abgefunden, dass sie ihn zu einem gewissen Grad steuerte.
Aber jetzt.
Das Denke ging gerade etwas zäh, weil er versuchte an einer Erkenntnis vorbei zu kommen.
"Ich habe immer schon so gekämpft, in der Zone. Das hat es mir ermöglicht zu überleben. Ich habe es immer meinem Training zugeschrieben..."
Er hatte immer noch Hunger.
Fuck.
Wendete er Magie an? Zonenmagie?
Nochmal Fuck.
"Das heißt dann wohl ich muss meine Aussage revidieren... Von wegen keine Magie."
Er hatte sich auch nichts weiter dabei gedacht als er Reuven überwältigt hatte, erst sehr viel später war ihm klar geworden, dass ihm als Mensch das nicht hätte möglich sein dürfen.
"Das ist vielleicht wirklich ein Teil von mir, seit die Zone damals entstanden ist. Aber ich lebe schon seit über 13 Jahren damit, ich dachte ich hätte das hinter mir gelassen als ich hierher gekommen war, aber wohl nicht vollständig. Trotzdem, das ist nichts worüber du dir sorgen machen musst. Ich habe eine Chance in dieser Welt zu überleben, das ist gut."
Und dann war da ja auch noch Jarels Traum.
"Du hast zuvor etwas im Schlaf gemurmelt... wovor hat du solche Angst...?"
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Jarel Moore
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Jarel zögerte, sah auf seine Hände. So sehr wünschte er sich, Slava würde sich neben ihn setzen. Ihn vielleicht sogar berühren, ihm nahe sein.
Wie würde der Spion reagieren, wenn er erfuhr, dass er Jakob gewählt hätte im Traum?
Verletzte es ihm? Würde er das, was gerade zwischen ihnen spross wie eine wilde Rose in einen Trümmerfeld, beenden?
Egal was daraus entstand, er würde offen sein.
Bis zur letzten Konsequenz.
"Der Traum. Die Stimme, die nicht deine war. Es hat mich gelockt und mir gedroht. Es hat mich vor die Wahl gestellt. Wenn ich dich wähle, würde Jakob leiden. Es wollte, dass ich mich für den einen und gegen den anderen entscheide."
Der Schattenläufer atmete durch, hob den Blick und jetzt stand noch mehr Unsicherheit darin als vorher.
"Ich entschied mich für Jakob.", gab er zu.
"Kurz nachdem du die Komturei verlassen hast wurde Jakob und ein weiterer Knappe angeklagt und im Schnellverfahren verurteilt. Beide sechs Hiebe mit dem Stock. Jakob nahm alle auf sich."
Jarel brauchte einige Sekunden um sich wieder zu fassen, starrte abermals auf seine Hände.
"Sie haben ihn Unzucht mit dem anderen Knappen vorgeworfen."
Jarels Stimme erstarb.
Jetzt, wo er es ausgesprochen hatte drohte es in einem eisernen Griff seinen Verstand zu ersticken.
Und selbst das war noch nicht alles.
Nur bekam er gerade keinen Ton mehr heraus und aufzustehen wagte er erstrecht nicht, hatte er doch genug Mühe, gegen den Schwindel anzuatmen, der der Welt um ihn herum einen ordendlichen Drehimpuls verpasst hatte.
Mit steinerner Miene starrte er auf seine Hände.
Und schwieg.
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Vyacheslav Sokolov
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Derzeit blieb Slava am Tisch, Jarel gegenüber. Gewohnheit vielleicht. Gespräche führte er einfach lieber von Angesicht zu Angesicht und nicht nebeneinander sitzend. Außerdem hätte die Nähe wohl zum schnellen Ende des Gespräches geführt. Für ihn hatte sich kaum etwas verändert. Er nahm die Schilderung auf der sachlichen Ebene auf, immerhin war Traumanalyse war auch Teil des Studiums gewesen und nur weil etwas in einem Traum sein Gesicht trug bedeutete das nicht, dass es er war. Wenn er sich dann gegen ihn und für Jakob entschied, dann hatte er sich gegen etwas entschieden, für der er zu dem Zeitpunkt gestanden hatte...
"Das war als du nach Wyzima gegangen bist, oder? Da dachtest du, ich hätte dich verlassen... Und du hast dich dagegen entschieden festzuhalten an der Vergangenheit oder an einer Wunschvorstellung... Oder wofür stand ich in dem Traum für dich?"
Ihm ging viel zu viel im Kopf umher. Klare Gedanken waren gerade Magelware.
"Was aber wirklich merkwürdig ist, dass du die Worte wiederholt hast, die der Wunschgönner sagt... ich hatte es dir glaub ich erzählt, das Zentrum im Reaktor... aber nicht im Detail... Ich bin bis heute nicht sicher ob das, was ich da gehört und gesehen habe real gewesen ist..."
Aber dann hätte er sich doch fast verschluckt.
Jakob wurde Unzucht mit einem anderen Jungen vorgeworfen? Fuck und Verdammt noch mal.
Er hätte lachen wollen, aber das wäre nicht fair gewesen.
"Ich nehme an ich muss nicht fragen, ob es stimmt? Kann ich etwas für ihn tun?"
Wobei vermutlich jeder Versuch der Hilfe von seiner Seite eher kontraproduktiv gewesen wäre.
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Jarel Moore
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„Es war in Wyzima, nachdem wir Kolja befreit hatten. Nach der Prügelei. Er hat mich mittels Magie geheilt. Ich bin wohl dabei eingeschlafen. Und habe geträumt.“
Jarel sah wieder auf und Slava in die Augen, hatte aber Mühe den Blick zu halten, zu sehr drehte sich noch alles.
Die nüchterne Art, wie der Spion die Dinge sah war auf seltsame Art beruhigend.
„Wofür stand der Traum…“, sinnierte Jarel.
„Ja. Es stand für das Loslassen.“
Er nickte bei dem Gedanken. „Und ja. Er stand dafür, dass ich in der Lage gewesen wäre einen anderen Weg einzuschlagen.“ Seltsam, dass ein leicht geänderter Blickwinkel aus so etwas wie diesem Albtraum etwas Gutes machen konnte. Ein Schmunzeln huschte über das blasse Gesicht des Ritters.
„Ich bin froh, dass ich es nicht musste.“ Etwas in Jarels Blick verschob sich, als wäre er gerade erst richtig wach geworden. Oder zu Verstand gekommen.
„Ich habe die Worte wiederholt?“, fragte er, während er den Hals streckte und zum Herd schielte.
Jetzt, wo die Übelkeit und der Schwindel langsam abebbten, bekam er Hunger.
„Ist noch etwas Ragout da?“

Blieb noch die Sache mit Jakob. „Du musst nicht fragen. Er hatte nichts mit dem anderen Jungen.“, versicherte Jarel. „Und…du kannst tatsächlich etwas für mich tun. Jake wurde verleumdet. Wir haben einen neuen Anwärter im Orden. Plenius Lichtel Hemmelfart. Der ‚Neffe‘ von Cyrus Engelkind Hemmelfart persönlich. Und eben dieser Junge war es, der Jakob beschuldigt hat.“
Die Art, mit der er das Wort ‚Neffe‘ betone zeigte deutlich, dass der Ritter an dieser Tatsache zweifelte.
„Ich muss wissen, was der Junge vorhat.“ Der Schattenläufer zögerte.
„Ich selber kann keine weiteren Nachforschungen anstellen…“ Slava war schlau genug aus diesem Satz mehr Informationen herauszuhören als die Worte allein übermittelten. „Ich bin zu nah dran. Und es besteht die Möglichkeit das Hemmelfart herausgefunden hat, wie nahe.“
Die dunklen Augen des Ritters ließen sein Gegenüber nicht aus dem Blick.
„Wenn sich da etwas anbahnt, muss ich Jakob aus der Schusslinie schaffen. Vielleicht werde ich aber auch einfach nur paranoid.“
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Vyacheslav Sokolov
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Erst einmal wortlos reichte Slava ihm den Tontopf in dem noch einmal warm gemacht noch ein wenig Fleisch übrig war, dazu einen Löffel. Die Kartoffeln waren allerdings restlos verschwunden.
"Der 'Neffe' seiner Exzellenz." auch er betonte den Neffen, auch er hatte bereits das eine oder andere gelesen. "ich denke ich weiß, was du meinst. Ich sehe was ich tun kann, aber nicht mehr heute. Ich will mir jetzt waschen gehen und dann schlafen. Und genau das solltest du auch tun, bevorzugt auch in der Reihenfolge."
Den Rest überging er für diesen Moment. Er war müde uns brauchte dringend seinen Schlaf, gerade jetzt konnte er nicht mehr so klar denken wie üblich und dann wollte er auch nichts mehr erörtern an dem wichtige Entscheidungen hingen.
Für den Moment schien Jarel beruhigt.
Und im Übrigen war das was er vermutete auch gar nicht einmal besorgniserregend speziell für ihn selbst oder seine nähere Umgebung. Wenn es ein Problem gab, dann für die Welt als ganzes. Aber er ahnte schon dass dieser Hinweis nicht zur Entspannung der Situation beitragen würde.
"Morgen gibt es viel zu tun. Ich muss sehen wo der Hexer abgeblieben ist und diesen Kolja wollte ich mir auch noch ansehen. Im Rücker Anwesen sagtest du... das ist nicht weit. Hast zu Zeit für einen Ausflug? Außerdem werden wir deinen Freunden in Ferneck einen Besuch abstatten." Er zwinkerte. "Und mit Dijkstra muss ich auch noch reden. Aber hier kann sich die Reihenfolge noch ändern."
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Jarel Moore
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Der Ritter nahm den Tontopf entgegen und aß, für seine Verhältnisse allerdings zögerlich und regelrecht vorsichtig, traute er doch seiner eigenen Konstitution nicht so ganz.
Er konnte in jeder Faser die Mühe spüren die es seinen Körper kostete, wieder in die Spur zu kommen. Von seinem Verstand ganz zu schweigen.
Die Portion im Tontopf war genau richtig. Mit einem dankbaren Nicken reichte er Slava den nun leeren Topf zurück.
Dann setze er an aufzustehen, wartete aber brav, bis der Spion nahe genug war ihm zu helfen. Vom Boden aufkratzen wollte er sich nicht lassen. Zwei tiefe Atemzüge, ein Ruck… und er stand. Seine Knie zitterten, er schwankte leicht, aber er stand. Cyron hätte die Augen verschraubt bei dem Anblick.
Jarel funkelte Slava jedoch verschmitzt lächelnd von der Seite her an und mühte sich ab nicht zu zeigen, wie schwer sich seine Glieder in diesem Moment anfühlten. Zumindest hatte der Spion heute keine Annäherungsversuche zu befürchten.
Gemeinsam gingen sie in den kleinen Nebenraum und wuschen sich. Und nachdem das Blut und der Schmutz nun in den Eimern schwamm statt auf der Haut zu kleben wurde deutlich: Beide hatten erstaunlich wenig – wenn nicht sogar bis auf die eine Stichwunde gar nichts – abbekommen.
Der Ritter betrachtete den achtlos am Boden liegenden Haufen seiner Kleidung. Es wäre besser, das verkrustete Blut und all den Dreck noch heute auszuwaschen, doch dafür war er zu müde. Viel zu müde.
Er schüttelte den Kopf und wickelte sich ein Tuch um die Hüften.
„Die Stichwunde, die ich kassiert habe…“, gab der Ritter wenig später zu, während er sich an Slavas Seite langsam die Treppe hoch quälte. „…ich hab bei einem der Nilfgarder einen Moment gezögert.“
Er stockte abermals, bevor er fortfuhr. „Für den Bruchteil einer Sekunde dachte ich Jakob zu sehen. Seine grünen Augen, seinen entsetzen Blick. Das reichte dem Soldaten schon…da hat mir mein Unterbewusstsein wirklich einen üblen Streich gespielt.“
Einen, der ihm unter anderen Umständen sein Leben hätte kosten können.
Doch heute – heute war alles glatt gelaufen. Sie waren beide gesund und mehr oder minder munter, die Aufgabe war erfüllt und es würden keine Folgen bleiben. Der Schattenläufer ließ sich auf das Gefühl ein. Auf die sich ausbreitende Ruhe, auf den Stolz darüber. Er würde diese Nacht an Slavas Seite verbringen. Das war im Moment alles, woran er denken wollte.
In der ersten Etage fanden sie Cyron und Sindra. Der Elf hatte das Mädchen in Decken gewickelt und für sich einen Sessel neben das Kanapee gezogen. Von dem Mädchen war kaum mehr als ihre Haarspitzen zu sehen. Frieren würde sie zumindest nicht. Ein heimeliger Anblick, der Jarels Bedürfnis nach Schlaf noch mehr befeuerte.
Der Heiler saß in dem Sessel wie hingegossen, mit dem schmalen Hintern soweit vorn an der Kante das es den Eindruck machte, er würde gleich zu Boden rutschen. Die Beine ausgestreckt und übereinander geschlagen wirkte er ungewöhnlich jung, ganz im Gegensatz zu seinen üblichen Bewegungsmustern und der sonst üblichen Haltung. Er sah er von einem Buch auf und wollte bei der Ankunft der beiden Menschen sofort aufspringen.

Jarel machte eine beschwichtigende Geste. „Geht schon.“, murrte er leise, um den Doppler nicht zu wecken.
Cyron bleib tatsächlich sitzen und folgte den beiden einzig mit den Augen, sagte aber nichts.
Damit, dass Jarel tatsächlich nicht aufstehen würde, hatte er ohnehin nicht gerechnet.
Der Elf wartete, bis die beiden auch die nächste Treppe erklommen hatten und richtete sein Augenmerk wieder auf den Text, versuchte das Geschriebene zu entziffern und malte sich dabei aus, was die zwei Männer wohl da oben noch treiben würde. Mit Betonung auf ‚treiben‘.
Grinsend schlug er die Seite um. Zurück allerdings, um dem Text noch eine Chance zu geben, doch in seinen Verstand vorzudringen.

Im Schlafzimmer erstarrte der Ritter einen Moment, starrte das Bett an, schluckte schwer.
Ja, dass war das Bett aus dem Traum. Sogar das Muster der Decken stimmte. Nur die Ringe – die fehlten. Irgendwie schade.
Jarel warf einen Blick zur Seite, nickte Slava vielsagend zu. „Die Ringe sind weg.“, erklärte er nur ohne besondere Betonung.
Er war müde. Zu müde für eine Diskussion, ja sogar zu müde sich von dem Bild erschrecken zu lassen.
Und seinem Liebsten schien es nicht besser zu gehen.
Was immer da mit ihnen geschehen war, diese Nacht hatte die beiden Männer alles abverlangt, ob nun durch die Benutzung von Magie oder den Blutverlust…beide waren längst über den Punkt hinaus, durchhalten zu können.
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Vyacheslav Sokolov
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Zusammen kämpfen, sich waschen, essen. Er konnte sich das durchaus gut für seinen Alltag vorstellen. So konnte er gut leben. Nur dass das nie zum Alltag werden würde. Es würde die Ausnahme sein, dass sie sich hier treffen konnten, hier in der Stadt. Nicht nur er unterhielt Spione,
Es würde immer gefährlich bleiben.
Wie also sollte es weitergehen? immer ein Versteckspiel?
Vorerst musste er diese Frage nicht beantworten.

Sie wuschen sich und wann immer Jarel umzukippen drohte war er da. Es war ein wenig wie in Oxenfurt, nur jetzt umgekehrt. Über sehr viel mehr wollte er nicht mehr nachdenken, er war selbst todmüde und brauchte Schlaf, wirklich klar denken fiel ihm schwer, er brachte immer nur Bruchstücke zusammen.
Sogar beim Waschen war er irgendwie eher in Gedanken und achtete nicht einmal darauf was er sah. Erst als Jarel erzählte, dass er gezögert hatte weil ihn der Soldaten an Jakob erinnerte merkte er auf. Er konnte sich kaum an Gesichter erinnern, es war dunkel gewesen und er war letztlich auch dankbar. Gesichter konnten einen im Schlaf verfolgen. Es passt aber irgendwie zu dem Schattenläufe oder Schurken, wie Cyron ihn genannt hatte. Als Berufsbezeichnung kam ihm das reichlich deplatziert vor, aber es waren verschiedene Sprachen, sehr verschiedene, manche Feinheiten blieben da wohl auf der Strecke. Alles in allem aber kam ihm der Mann deutlich sanftmütiger und feinfühliger vor als er sich selbst in der Hinsicht einschätzte.
Der tat nur so knurrig.
So in Gedanken achtete er vor allem darauf, Jarel nach oben zu bringen, in der Küche wollte er ihn nicht schlafen lassen.
Auf dem Weg hoch kamen sie an Cyron und Sindra vorbei. Zum Glück schlief das Mädchen, besser der Doppler. Der Elf jedoch nicht.
Der Blick mit dem er sie bedachte nervte fast ein wenig. Warum ging jeder automatisch davon aus, dass losgevögelt wurde wenn man sie alleine ließ?
Sicher, am Anfang einer Beziehung würde das durchaus häufiger vorkommen, aber trotzdem mochte er es nicht, wenn man ihn so abstempelte. Seit wann eigentlich?

Dann waren sie oben.
Jetzt grinste Slava, vor allem aber um über seine Skepsis hinwegzutäuschen. Immer wieder waren auch seine Gedanken zwischen dem Traum, den Worte aus der Zone und dem Massaker, dass sie angerichtete hatten hin und her geschossen wie Flipperkugeln, ohne allerdings so recht ein Zeil zu finden.
Der Traum war das eine. Als so absolut nicht religiöser oder gläubiger Mensch, der vor allem auf Technik und das eigene können vertraute verunsicherte alles was ins unerklärliche ging, so auch prophetische Träume, Hellsichtigkeit.
Die Sache mit der Magie war ja sogar noch erklärbar, immerhin folgte sie sogar dem Energieerhaltungssatz, das war akzeptabel. Aber dass Jarel von der Zone geräumt hatte, und noch dazu solche Details, das wollte ihm nicht ganz in den Kopf. Also konzentrierte er sich auf das konkrete daran.
"Sagte ich doch, hab ich abmontiert. Der Sex darf gerne dreckig und hart sein, aber Fesselspiele brauche ich nicht. In der Hinsicht bleibe ich wohl konventionell. Aber für heute... Schlaf. Du brauchst es, ich auch. Ficken können wir immer noch."
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Jarel Moore
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„Hrmpf…“, war der einzige Kommentar, den Jarel noch über die Lippen brachte.
Keine Fesselspiele also. Spielte das eine Rolle?
Nein.
Heute nicht.
Jetzt nicht.
Das Bett übte gerade eine unglaubliche Anziehungskraft aus ihn aus.
Irgendwie schaffte er es hineinzukriechen. Dabei sich vollständig zuzudecken bleib er weniger erfolgreich. Und dabei seinem Liebsten noch etwas zu wünschen ebenso.
Er war in dem Moment eingeschlafen, als sein Kopf das Kissen berührte.
Und er schlief. Was für jeden anderen normal gewesen wäre, war für den Schattenläufer ungewöhnlich.
Er lag auf der Seite, die Knie leicht angezogen und…man konnte ihn atmen hören.
Statt des kontrollierten Halbschlafes, aus dem er beim kleinsten Geräusch hochfuhr, ein tiefer, traumloser Schlaf, aus dem ihn selbst die Apokalypse nicht herausgerissen hätte.
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Vyacheslav Sokolov
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Jarel schlief sofort ein, der Handtuch hatte er verloren, Slava deckte ihn zur Gänze zu, ehe er sich ein Nachthemd überzog. Es gab nichts was an einen Pyjama herankam. Es gab nur Leinen, feine Wolle aber keine Polyester, keine wirklich dehnbare Stoffe. Schlafanzughosen waren also nicht wirklich bequem. Aber er gab nciht auf.
In diesem Fall umschlang er Jarel, der deutlich ausgekühlt war. Geringes Blutvolumen, Erschöpfung, kein Wunder, er würde ihn aber warm halten und das diente in diesem Fall wirklich nur der Gesundheit.
Er roch jetzt nciht nach seiner Seife, aber er roch wie... er. Die Nähe tat gut und es war immer noch irgendwie merkwürdig.
Er hatte durchaus mit vielen Frauen geschlafen, war auch neben der einen oder anderen aufgewacht, vor allem wenn er zu besoffen gewesen war noch Nachts zu türmen.
Zuletzt hatte er natürlich auch einige Nächte mit seiner Ehefrau verbracht, wie auch sonst hätte der Sohn entstehen sollen, der auch nach dem Vaterschaftstest noch von ihm gewesen war.
Und nun?
Er lag neben eine Mann mit den breiten schultern eines Schwertkämpfers, Bart und Brustbehaarung.
Einmal ganz definitiv keine Frau...
Er fragte sich noch immer was geschehen war, wann er es akzeptiert hatte, wann er es zum ersten mal gemerkt hatte.
Für den Moment aber war es gut. Er suchte seine Nähe um ihn zu wärmen und genoss es. Und irgendwann schlief auch er ein, nur waren seine Träume wie immer merkwürdig.
Es kamen Portale darin vor, Monster und Mutanten beider Welten und wieder das Zentrum der Zone, die unheimliche Stimme des Wunschgönners.
Hatte er ihn gesehen? Hatte er sich etwas gewünscht?
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Jarel Moore
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Langsam, nicht mit einem Schlag wie sonst, driftete Jarels Bewusstsein der Oberfläche entgegen.
Er blinzelte, seufzte und versuchte sich zu orientieren. In seinem Rücken befand sich Wärme. Eine Decke breitete sich ebenfalls angenehm schwer und warm und wundervoll beruhigend über ihm aus. Über ihnen beiden.
Slava lag hinter ihm, wärmte seinen Rücken, den Unterarm auf seiner Taille abgelegt, die Hand locker auf seinem Bauch. Trotzdem es nicht das erste Mal war, wurde es Jarel gleichzeitig heiß und kalt und sein Herz schlug schneller.
Er konnte den Atem seines Liebsten zwischen seinen Schulterblättern spüren, tief und regelmäßig, seinen Duft riechen, seine Wärme in sich aufnehmen. Bei allen Göttern, er war im Himmel aufgewacht. Ganz behutsam strich der Schattenläufer mit den Fingerspitzen Slavas Arm vom Ellenbogen zur Hand hinunter, schob in Zeitlupe seine Finger zwischen die des Spions, verschränkte sie dort mit den seines Geliebten, nahm seine Hand und legte sie sich auf die Brust.

Er verwendete nicht einen Gedanken daran, wie gefährlich diese Beziehung war, dass sie sich verstecken mussten.
Keinen Gedanken daran, dass in ihnen beiden etwas Gefährliches steckte.
Keinen Gedanken daran, dass das auffliegen dieser Beziehung für ihn das Ende bedeuten könnte und für seinen Knappen die Verbannung.
Keinen Gedanken an die Zukunft.
Völlig im Moment versunken zog er die Hand des Mannes hinter ihm vor seine Lippen und drückte ihm einen Kuss auf den Handballen, bevor er sie wieder auf seine Brust legte.
Mit einem glücklichen Lächeln schloss er die Augen wieder und lies sich treiben.
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Vyacheslav Sokolov
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Am nächsten Tag erwachte Slava...irgendwann, nicht früh genug. Es gab eigentlich viel zu viel zu tun.
es war friedlich, er öffnete die Aigen, sah vor sich einen brieten Rücken und schwarze Haare auf dem Kissen. Man konnte sich daran gewöhnen.
Sie konnten aufstehen, Kaffee kochen und dann... Dann würde doch wieder jeder seiner Wege gehen müssen.
aber bis dahin...
Jarel griff nach seiner Hand, küsste sie und hielt sie dann fester.
Immer noch durchleuchtete er seine Gefühle danach ob das alles richtig war. Aber ja. Es war als wäre er angekommen.
Eine weile blieb auch er noch liegen, atmete den Duft der Haare ein.
Es war tatsächlich das richtige, auch wenn es so gar nicht zu ihm passte.
Schon bald würd ihn aber der Alltag wieder einholen aber ein paar weniger Augenblicke konnte er es noch hinauszögern. Aber er wußte, Jarel war wach.
Nur wollte er gerade nichts sagen.
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