Der Tempel des Ewigen Feuers

Wyzima ist/war die Hauptstadt von Temerien und Herrschersitz von König Foltest. Von hohen Stadtmauern umgeben, liegt sie an den Ufern des Wyzimasees; die Ismena fließt durch Wyzima und mündet in diesen. Das Bier "Wyzimas Gold" wird hier gebraut.
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Jakob von Nagall
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Die ewige Flamme im Tempel zu Wyzima.

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Philemeaon, Bewahrer des Ewigen Feuers in Wyzima
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Jakob von Nagall
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von/nach: Tempel der Melitele --> Tempel des Ewigen Feuers
Datum: Juli 1278
betrifft: niemanden
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Jakob betrat den Tempel seines erwählten Glaubens mit gemischten Gefühlen und wie immer, wenn er eines der hohen, düsteren Gebäude betrat, die an die Kathedralen seiner Heimat erinnerten, überkam ihn der Drang, sich zu bekreuzigen. Und wie immer bezwang er ihn und beugte stattdessen Knie und Nacken vor dem am Ende des Schiffs lodernden Feuer. Hoch brannte es hier, in einer riesigen, metallenen Schale und dennoch war die Architektur so gestaltet, dass das Licht nur in jenes Rund um die Schale fiel und der Rest des Tempels in zuckenden Schatten lag.
Langsam schritt er durch den leeren Raum. Keine Bänke, wie im Tempel in Nowigrad. Nur nackter Stein und darauf vom Portal bis zum Altar ein derber, roter Teppich, dessen Oberfläche von tausenden Schritten abgenutzt war. Sein Unbehagen wuchs mit jedem Meter, den er näher kam, doch er sah es vom Tag seiner Weihe an als Prüfung, das Ewige Feuer nicht zu fürchten. Es war schwer und schon nach kurzer Zeit rollte ihm der kalte Schweiß über die Haut und zitterten ihm die Hände. Aber er ging, stieg die Stufen hinauf, bis in den Bereich, wo er die Hitze spüren konnte und fiel wieder auf die Knie, begann ein Gebet, in dessen Verlauf er immer wieder mit der Stirn den warmen Stein unter sich berührte. Schließlich legte er sich bäuchlings hin, breitete die Arme aus und presste die Stirn gegen den Boden. Reglos ließ er sich ins Gebet fallen.
Ruhe kehrte in seine Seele ein. Selbst das Knacken des Feuers ließ ihn irgendwann nicht mehr zusammenzucken.
Als er sich nach einer ganzen Weile wieder aufrichtete, fühlte er, dass jemand ihn beobachtete und wandte noch immer kniend den Kopf. Am Rand des Podests stand ein Priester, die Hände in den weiten Ärmeln verborgen, auf dem Kopf eine Kapuze. An den Zeichen auf seiner Robe, die halb vin einem dichten Vollbart verdeckt waren, konnte Jakob den Bewahrer erahnen und neigte ehrerbietig den Kopf, wie man es ihn gelehrt hatte. Der Mann erwiderte den Gruß und schritt dann näher.
"Das Ewige Feuer spende dir Licht und weise dir den Weg, mein Sohn. Ich kenne dein Gesicht nicht aus meiner Gemeinde.", sprach der Bewahrer ihn an.
"Danke Ehrwürdiger. Nein, ich bin Reisender aus Nowigrad.", erwiderte Jakob vorsichtig, doch ohne zu lügen. Vielleicht war er gerade uneins mit Jarel, aber in Schwierigkeiten wollte er ihn auch nicht bringen.
"Hast du im Gebet gefunden, was du gesucht hast?", wollte der Priester freundlich wissen.
Jakob wandte den Blick kurz von ihm zurück auf das Feuer, das nun nicht mehr ganz so bedrohlich wirkte, und dann wieder zurück. Er überlegte noch einen Moment, dann sagte er: "Ruhe für mich, aber keine Antwort auf meine Fragen."
Der Bewahrer wippte mit dem Kopf zu einer Seite. "Das Ewige Feuer spricht nicht immer klar zu uns. Viel mehr sendet es die Antwort an unser Herz. Was bedrückt dich denn?"
"Ich bin uneins mit meinem Mentor über einige Fragen des Glaubens."
Der Priester schmunzelte und seine Stimme trug sein Amüsement mit sich. "Es ist zugleich klug und dumm sich einen klugen Schüler zu suchen, denn es liegt in der Natur der Sache, dass ein kluger Schüler und sein Lehrer sich in vielen Dingen uneins sein werden." Nun lachte er gutmütig. "Aber wie traurig und unbefriedigend wäre es, wenn Schüler immer alles demütig hinnähmen, nicht?"
Jakob stutzte. Er kannte ein paar Beispiele in der Komturei, die es eher als anstrengend empfanden, wenn man ihnen eine Diskussion aufzwang. Der Knappe musste zugeben, dass er es an Jarel schätzte, dass dieser genau diesen Diskurs suchte. Auch wenn das zuweilen wiederum ihm selbst zu anstrengend wurde. Er seufzte tonlos und zuckte mit den Schultern.
"In manchen persönlichen Ansichten finden wir einfach nicht zueinander. Da weiß er selbst manchmal nicht weiter, fürchte ich.", sagte der junge Mann schließlich und blickte wieder ins Feuer. Wie seltsam, das auszusprechen und die Unsicherheit zuzulassen, die damit einher ging. Der Bewahrer schien zu verstehen - natürlich, Männer wie er waren bewandert im Lehren und sicher auch in den Schwierigkeiten, die damit einher gingen.
"Die Schriften der Weisen sagen: Ein Lehrer soll sich zum Instrument machen. Er soll das Göttliche durch sich wirken lassen. Falsch wäre, wenn er sich dabei als überlegen darstellt - viel mehr soll er die Lehren durch sich hindurch fließen lassen, auf dass das Göttliche durch ihn zu seinem Schüler spricht. Der Schüler wiederum soll dem Lehrer gegenüber Ehrerbietung zeigen, doch du solltest dir auch bewusst sein, dass dein Lehrer auch seine Schwierigkeiten hat, seine Begrenzungen. Er ist Mensch wie du. Löse dich von der Person des Lehrers, denn nicht die Person des Lehrers ist wichtig, sondern es ist wichtig, in wie weit spricht die Ewige Flamme - das Göttliche - durch diesen Lehrer. Kannst du das durch ihn hindurch spüren?"
Jakob betrachtete seine Hände, die offen auf seinen Knien lagen, und dachte über die Worte und die Frage des Priesters nach. Als er jedoch den Blick wieder hob, um ihm zu antworten, war der Mann fort und Jakob allein. Das Feuer knackte und mit einem Mal ging ihm auf, dass es während des gesamten Gesprächs totenstill gewesen war.
Nachdenklich kehrte er nach draußen zurück, wo Iola noch immer auf ihn wartete. Etwas hatte sich verändert, das spürte die Melitele-Priesterin sofort. Jakob war nicht mehr so durcheinander wie zuvor, wirkte ausgeglichen, wenn auch in sich gekehrt.
"Gehen wir.", bat er sie mit einem selten offenen Lächeln.
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Iola stand am Brunnen und hing ihren Gedanken nach.
Ihr Tempel strahlte einladende Wärme aus, Licht und Geborgenheit. Der Tempel der Ewigen Flamme jedoch erschien ihr immer eher einschüchternd als freundlich.
Und dass, obwohl ihr engster Kontakt der Ritter war, der sie einst aus einem brennenden Gebäude gezogen hatte.
Trotzdem hatte sie angenehmes Herzklopfen und ein wunderbar warmes Gefühl im Magen.
Hoffentlich blieben Jakob und Jarel noch ein paar Tage, selbst wenn der Knappe nicht mehr bei ihr liegen würde. Wenn er seiner Ankündigung nachkam.
Die Schwester seufzte und setzte sich auf die Kante des Brunnens und hing ihren Gedanken nach.
Hoffentlich war der Abschied von den beiden noch lange hin
Sie folgte ihm vom Gelände des Tempels wieder hinein in die Stadt, wirkte erleichtert, als die hoch aufragenden Mauern sie frei gaben. Die tief stehende Sonne färbte Häuser rot und legte lange Schatten in die Straßen, Händler und Handwerker schlossen ihre Läden, es wurde ruhiger in der alten Stadt.
Jakob ging eine Weile schweigend neben Iola her, die Worte des Bewahrers noch im Ohr und sich zugleich schmerzhaft der Anwesenheit der jungen Priesterin bewusst. Er konnte nicht leugnen, dass sie auf ihn wirkte - anders zwar, als Aria, deren Zauber wie ein Druck im Nacken war, aber doch auf ihre Art zauberhaft - und ertappte sich immer wieder dabei, sie aus den Augenwinkeln zu beobachten.

Auch er war nur ein Mensch, ein Mann und ihre Weiblichkeit war geradezu magnetisch. Nun, da er ihren Duft kannte, schien er überall zu sein, wollte ihn zwingen seine Nase in ihrem Haar zu vergraben, nur um möglichst viel davon zu atmen. Slava hatte es schon bei Aria kaltblütig Pheromone genannt - sollte er. Vermutlich hatte er Recht, aber eben diese nüchternen Pheromone spielten mit seinen Hormonen Hockey.
Mensch sein dürfen und trotzdem das Göttliche durch sich fließen lassen... Der Gedanke ließ ihn nicht los und mischte sich mit dem, was Jarel gesagt hatte. Konnte Liebe göttlich sein und damit rein? Aber Verlangen war nicht Liebe... All das war irritierend, aber bevor sein Verstand zu einem Schluss kam, entschied sein Körper.
Ehe er wusste, was er im Begriff war zu tun, schlüpften seine Finger zwischen ihre, gerade als der Schatten einer schmalen Gasse sie umfing.

Iola nahm das als Zeichen und schmiegte sich an ihn, verschränkte ihre Finger in seinen und strahlte ihn von der Seite her an.
Üblicherweise hadert sie nicht mit ihrem Schweigegelübte. Ich jetzt, in diesem Moment, hätte sie ihn zu gern gesagt, dass er sich nicht den Kopf zerbrechen sollte, daß sie durchaus wusste, auf was sie sich einließ.
Vermutlich würde er nie wieder bei ihr liegen, aber wer weiß... vielleicht konnte sie ihn wenigsten einen Kuss abluchsen.

Ihre Wärme drang durch den Stoff seines Hemdes, ihre Anschmiegsamkeit weichte ihn vollends auf. Impulsiv zog er ihre Hand mit seiner in seinen Rücken, drehte sie damit zu sich herum und strich mit dem Daumen der anderen über ihre Wange. Und wenn er in ewige Verdammnis stürzen würde, solange ihnen Melitele gewogen war, hatte er wenigstens eine Fürsprecherin unter den Göttern.

Sie lächelte und wurde eine Spur rot.
Auch ihre zweite Hand wandte, jedoch nicht in seinen Rücken sondern in seinen Nacken.
Bei der Göttin großer Güte, er war so hübsch.
Sie kam mit klopfendem Herzen ganz nahe, hob den Kopf, bot ihre Lippen und schloss erwartungsvoll die Augen.
Dieses Gefühl war so aufregend neu und wunderschön.
Jetzt wusste sie endlich, wovon die anderen sprachen.

Die Lawine rollte, kein Gedanke mehr an Götter, Tugend oder das Ende der Welt. Ihre Finger in seinem Nacken, ihr Körper gegen den Seinen gelehnt, tausend Funkenschläge in seinen Nerven. Ganz sacht, fast zögernd strich er mit den Lippen über Iolas. Was wusste er schon von Küssen? Kindliche Experimente und ein verhängnisvoller Morgen im Wald, eine Ewigkeit her. Er folgte nur seiner Intuition, kostete die zarte Berührung, so warm, so weich und innig.
Zitterndes Warten auf den rächenden Blitzschlag von oben... der ausblieb. Statt dessen einer mitten in seinen Magen, als der Kuss sich wie von allein intensivierte, ihre Zungenspitze vorwitzig die seine lockte.
Sein Kopf drohte jetzt schon auf Notstrom umzuschalten.
Kein Mann ist so stark wie du., hatte Aria gesagt. Doch er hatte sich verändert, vielleicht hatte Jarel ihn mit seinem Blick auf die Dinge verändert. Er konnte stark sein, doch er war auch verwundbarer geworden. Seine Nussschale hatte Milliarden Risse, fehlende Teile und das angreifbare Innere lag an vielen Stellen bloß. Iolas Zuwendung fiel auf fruchtbaren Boden, sickerte in seine Seele wie ein Regen nach jahrelanger Dürre.

Zum federleichtem Schmetterlingsflattern in der Magengegend und dem warmen Ziehen in der Leiste kam kam für Iola ein drittes neues Gefühl.
Das Gefühl von einer Hand voll Macht.
Hatte er sich ihr nicht vor kurzem versagt? Nun schicke sein Körper ganz andere Signale und Iolas schicke sie verstärkt unterstrichen und erhitzt zurück.
Sie spielte mit ihm, so wie er mit ihr spielte. Hier ein Kuss im Schatten, dort ein Streicheln in einer Gasse...
Auf den Wegen und wenn sie jemand sah mit disziplinierter Distanz, kaum allein das genaue Gegenteil.

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