Oxenfurt - Gaststätte 'Zur Alchemie'

Eine von den zwei freien Städten in Redanien. Oxenfurt liegt an den nördlichen Ufern des Pontar-Stroms. Die Stadt ist bekannt und berühmt wegen ihrer Universität, die die größte Akademie der nördlichen Königreiche ist. Oxenfurts Universität gilt gleichzeitig als eine besondere Sehenswürdigkeit von Redanien.
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Jakob von Nagall
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Registriert: Sonntag 7. November 2021, 10:18

Jakob schwirrte der Kopf, teils vor Müdigkeit und teils davon, dass sein Gehirn Bekanntschaft mit der Innenseite seines Schädels geschlossen hatte. Entsprechend langsam war er unterwegs, sodass Jarel ihn mühelos erreichen konnte. Eine Hand auf der Klinke seiner Tür, brauchte er ungewöhnlich lang, um die Informationen aus den Worten des anderen Mannes zu filtern. Doch als er es dann geschafft hatte, nickte er ergeben, holte seine Decke aus dem Zimmer und schlurfte Jarel hinterher.
In Slavas Zimmer suchte er sich einen freien Flecken, Rücken gegen die Wand, zog sich die Decke über den Kopf und fiel fast nahtlos wieder in den Schlaf, den sein Gehirn schon nach dem Blackout eingefordert hatte. Vielleicht ein Talent der Jugend oder fast aller Rekruten auf dieser und allen anderen Welten...
Nur das in Jakobs Fall die Schwelle des Erwachens sehr niedrig lag - oft reichte eine knarrende Diele, ein heftiger Atemzug des Zimmergenossen oder auch nur eine ungewöhnliche Bewegung im oder vorm Raum, um ihn aus dem Schlaf zu reißen. Mit ein Grund wieso er eigentlich immer aussah, als mache er die Nächte zu Tagen. Finstere Träume und ein leichter Schlaf konnten die Nächte zur Folter machen und der Foltermeister war der eigene Körper.
Doch vorerst wurde er zu einem weiteren Haufen an der Wand, zusammen mit Jarels Packtaschen.
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Jarel Moore
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Registriert: Freitag 25. März 2022, 23:06

Die Nacht verlief ruhiger als erwartet.
Keine Stunde nachdem Stille eingekehrt war, meldete sich bei Slava ein weiterer Krampfanfall an.
Als Jake erwachte, steckte der Ritter dem Soldaten gerade den Riemen zwischen die Zähne und zog ihn wie ein Kind vor sich in die Arme. Das Zucken und Aufbäumen sah furchtbar aus, ging aber schnell vorbei.
Der Ritter ging erstaunlich sachlich und geübt damit um. Und als der Soldat erschöpft schnaufend in seinen Armen lag, lächelte er seltsam. Erleichterung wahrscheinlich.
Egal wie sehr Slava protestierte, im Anschluss steckte Jarel ihn ins Bett, reichte ihm ein sauberes Tuch, damit er sich den Schweiß abwischen konnte und setzte sich dann Jake gegenüber an die Wand.
„Weiterschlafen.“, befahl er dem Knappen leise, schlug die Beine übereinander und lehnte sich zurück.
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Reuven von Sorokin
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Registriert: Mittwoch 12. Januar 2022, 18:38

Die Schlägerei in der Taverne war Reuven beinahe erleichterte frische Luft atmen zu können. Sindra und er traten auf die Straße. Noch konnte man Männer sehen, die nach Hause stolpern und ihre Kameraden stützten. Das ganze würde morgen schon Stadtgespräch sein, was man sich erzählen würde, das ahnte Reuven aber noch nicht, auch nicht, dass er in Kürze noch unfreiwillig eins draufsetzen würde.
"Wir müssen etwas machen... vielleicht suchen wir dir tatsächlich einen großen Hund, den du imitieren kannst, wenn wir in so einer Taverne sind... oder einen Mann, das macht weniger Ärger." er war ihr nicht böse, es war ja nicht ihre Schuld. Nicht die Frau mit dem hübschen Hintern trug die Schuld, wenn die Männer ihre Triebe nicht unter Kontrolle hatten. Trotzdem ließ sich Ärger vermeiden, verbarg man diesen besser.
Er holte Vanja aus dem Stall, und auch das große schwarze Tier. Ihrer beider wenigen Besitztümer verstaute er am Sattel.
Der Vollmond stand bereits am Himmel und ließ das vom Regen noch nasse Kopfsteinpflaster glänzen.

Sindra zog die glatte Stirn kraus. "Der Hund von dem seltsamen Mann...ginge der nicht?", fragte das Mädchen-

"So weisse Hunde sind selten, das wäre auffällig. Ausserdem war das ein Rüde. Wir suchen dir einen, der unauffälliger ist und besser zu dir passt." Reuven vermutete bereits, dass sie viel Zeit in der Gestalt verbringen würde, es musste etwas sein, dass ihr keine Übelkeit verursachte, wie es der Vampir getan hatte. Und der Hund dieses Hauptmannes... wer wußte schon, was der alles gesehen hatte.

Sarray beobachtete eine kleine Promenadenmischung, die vor ihnen her rannte und panisch mit eingezogenem Schwanz vor etwas floh.
"Der gefällt mir nicht so. Geht auch eine Katze? Ich bin als Katze groß geworden."
Der Hund war vor etwas geflohen. Und noch bevor Reuvens Instinkt ihn warte, hörte er etwas.
Etwas weit weg. Etwas, das näher kam.
Tack Tack Tack Tack Tack...
Das Klicken eines Gehstocks auf dem schmutzigen Pflaster der Straße.

"Ich denke das gäbe eine sehr große Katze, oder?" Er musterte sie, versuchte die Masse einzuschätzen und sein Blick blieb an ihrer Taille hängen, mit der zusammengeknoteten Bluse. "Du hättest wohl die Größe eines Luchses... das ist nicht unauffäll..." er hörte das klacken, das Medaillon schwieg, es brachte auch rein gar nichts bei Vampiren.

"Berglöwe.", erklärte Sindra stolz. "Meine Familie hat..." Und da begriff auch sie, dass etwas nicht stimmte.
Jemand...Etwas bog um die Ecke, baute sich regelrecht in ihrer Sicht auf und ließ sich betrachten. Und ein Bild war er fürwahr.
Ein junger, attraktiver Mann in akkurat gebügeltes Leinen und aufwändig gefertigtes Brokat gewandet, mit altmodischer Weste, lackschwarzem streng nach hinten gekämmten Haar, perfekt gestutzem schwarzem Bart und leuchtend grünen Augen.
Jemand...Etwas, dass so manches Frauenherz durch reine Anwesenheit zum Schmelzen bringen konnte.
Nur Sindra. die schmolz nur vor Angst und hechtete mit einem erschrockenem Laut hinter Reuven.

"Verdammte Scheisse. Auch das noch." Reuven hatte ihn natürlich erkannt, war ja auch nicht so schwer gewesen, Sindras Kopie war perfekt gewesen. vielleicht hatte er andere Kleidung getragen, aber das Gesicht, die Haltung... sogar sein Schritt. Kein Zweifel, er stand dem echten Sebastien gegenüber. Es war vielleicht eine dumme Angewohnheit, sich zumindest umzudrehen um zu überprüfen, ob eine Flucht möglich war, aber hinter ihm in der Gasse - wie weit waren sie geschlendert? - stand auch jemand, ruhig, als hätte er alle Zeit der Welt. Kein Gehstock, aber ein vornehmer Gehrock, etwas abgetragen vielleicht und altmodisch, aber unverkennbar. Wenn hier ein Hoher Vampir war dann war der zweite auch einer. Seine Chancen, hier eine Auseinandersetzung zu gewinnen schwanden von Sekunde zu Sekunde. Besser gar nicht erst die Schwerter ziehen. Sindra behielt er hinter sich.
Aber er besaß immer noch die Frechheit, zu fragen: "Was wollt ihr von uns?"

Sebastien schwieg, setze sich wieder in Bewegung und betrachtete die beiden mit neugieriger Arroganz.
Er umrundete beiden gemessenen Schrittes, kam so nah, dass zumindest Reuven einen teuren Duft wahrnehmen konnte. Ambra, Sandelholz und ein hauch Jasmin.
"Wie habt ihr das gemacht?", fragte er leise, freundlich und doch mit einem Unterton, der zumindest Sindra eine massive Gänsehaut verursachte.

Natürlich wußte Reuven, was der Mann meinte, Sebastien... aber es konnte doch auch immer noch eine Verwechslung sein, oder nicht? Es fehlte ihm ein wenig an Schnelligkeit im Denken, es fiel ihm keine Konstellation ein... aber trotzdem: "Was gemacht?"

"Na...na...na..." Der Vampir lächelte. Ein elegantes Lächeln mit einer kleiiiien Spur zu viel Eckzähnen darin. "Wenn ihr mich mit Spielchen langweilen wollt, zerreiße ich das Mädchen gleich hier und nehme euch mit. Für einen kleinen Umtrunk der Bruderschaft könnte es gerade reichen.", drohte er freundlich und stellte seinen Gehstock zwischen den Füßen ab. Klack
"Wollt ihr das?"

Auch der zweite kam näher. Reuven konnte ihn tatsächlich hören, auch wenn er sich leise bewegte. Vermutlich wollte er es. Er war, soweit konnte er aus den Augenwinkeln erkennen, älter als der junge Mann und kleiner. Aber bei Vampiren verhielt es sich etwas anders als bei Menschen, sie wurden im hohen Alter nicht gebrechlich, im Gegenteil... "Ich bin ein Hexer, ich kann Magie wirken. Den Zwergen hab ich mit Axii vorgegaukelt, ich wäre ihr. War gar nicht so schwer." Hexer waren meist keine guten Lügner, aber er gab sich trotzdem Mühe. (70/100) Er wollte Sindra schützen. Dass er sie zuerst aussaugen würde hatte er bereits deutlich gemacht.

"Der Bankier hat mich in der Bank beschrieben und einer anderer Zeuge sah euch in einer Gasse in der Nähe. Gleichzeitig."
Die Stimme des Vampirs wurde dunkler, drohender.
"Erst Spiele. Dann Lügen." Er seufzte.
"Hat keinen Zweck mit dem...", rief der junge dem älteren zu.
"Verdorben. Kein wahres Wort. Nimm dir die Kleine. Ich erledige den Hexer."

"Wartet!" Er hatte nun doch die Hand am Schwert, auch wenn er sich keine großen Chancen ausmalte.
Und leise zu Sindra. "Wenn sie angreifen, lauf einfach, ich lenke sie so lange wie möglich ab!"
Er versuchte beide gleichzeitig im Auge zu behalten. Verdammt, gegen zwei Vampire... ohne schwarzes Blut... sie würden ihn einfach in der Luft zerfetzen. Andererseits, wenn er damit den letzten Doppler retten konnte, dann hatte seine Hexerexistenz doch einen Sinn gehabt.
Der Zweite indessen kam langsam näher. Es gab keinen Grund für schnelle Bewegungen, er würde ihn in jedem Fall einholen, wenn er rannte, wenn er das Schwert zog. Also spazierte er geradezu langsam auf Sindra zu.

Der Jüngere breitete in einer entwaffnenden Geste die Arme aus.
"Nun...letzte Chance, Menschlein. Sprecht. Oder sterbt."
Tack
Er stellte den Stock wieder ab
Neben sich hörte Reuven Sindras galoppierenden Herzschlag, ihr tiefes Einatmen.
Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und trat neben Reuven.
"Ich wars.", kiekste sie verängstigt.

"Nein, stimmt nicht. Sie hat nichts damit zu tun. Lasst sie gehen, mich könnt ihr zerfetzen!" Er stellte sich noch deutlicher vor sie, das Silberschwert gezogen.
Da war der Ältere auch schon bei Sindra, hielt sie am Kragen fest. "Na da haben wir doch schon die Wahrheit. Er versucht sie zu schützen. Wie niedlich... aber sinnlos. Du hattest deine Chance. Hexer."

Sindra starrte Clement an, blinzelte, atmete tief durch.
Ihre Gestalt streckte sich, wurde kräftiger, Männlicher...
Einen Moment sah Clement sich selber nackt vor sich, bevor ihm Kleidung wuchs. Seine Kleidung. Auf den Punkt genau. Sogar der Staub auf den Schuhen.
"Tut ihm nichts." Seine eigene Stimme, leise. Voller Angst. "Bitte...."
Sebastien war tatsächlich einen Moment perplex und starrte das seltsame Zerrbild entgeistert an.

Der ältere Vampir betrachtete sein eigenes Spiegelbild mit großer Neugier. Er hatte sie... sich... immer noch am Kragen gepackt und drehte das Abbild hin und her. "Wunderbar. Ich habe schon viel von euch gehört. Hervorragende Qualität. Ich denke ich behalte dich." Und er lächelte, ernsthaft erfreut. "Das, mein lieber Sebastien, ist wertvoller als das was sie dir gestohlen haben. Wir behalten es und der kleine Lügner kann gehen."
Aber Reuven hatte sein Schwert bereits in der Hand und auch er war schnell, und das einzige was auch nur ein wenig gegen Vampire half war Silber. Mit einem schnellen Schritt war er bei Sebastien. "Er soll sie loslassen, sonst mach ich dir ein Loch ins Hemd." Es war klar, dass er wieder heilen würde, aber kampflos würde er nciht aufgeben. Das Silber an Sebastiens Kehle piekte in seinen Adamsapfel und brannte wohl auch ein wenig auf der Haut.

"Nimm die Klinge runter, Hexer. Du kannst gehen. Oder du stirbst. Letze Chance."
Er klang vollkommen ruhig. Angsfrei. Trotz der Klinge am Hals.
"Bitte..." Clements Stimme, aber er erkannte Sindra am Timbre. "Geh. Ich flehe dich an. Sie bringen dich um und nehmen mich trotzdem mit. Das würde ich nicht ertragen Geh...wenn du mich gern hast. Bitte, Reuven."
Das erste Mal, dass sie ihn beim Namen nannte.

"Hör auf sie, Hexer. Du kannst hier nichts tun. Füg Sebastien nur einen Kratzer zu und von dir bleibt kaum mehr als ein Fleck auf der Strasse."
Reuven blickte immer noch von einem zum anderen. Dann steckte er das Schwert weg, hob die Hände.
"Ich greife nicht an, aber ich gehe auch nicht. Ich lasse sie nicht im Stich, und ich werdet sie nicht mitnehmen. Sie ist vielleicht die letzte ihrer Art und ich schütze sie, notfalls mit meinem Leben. Sie ist kein seltenes Haustier! Sie ist ein freies Wesen!" Zumindest war er von dem was er sagte überzeugt.
"Ist es so?" wollte nun der echte Clement wissen.
"Oder sucht ihr euch nur aus wen ihr gerade jagt und wen ihr beschützt, ganz nach Laune? Wenn das der Letzte ist, dann hat vor zwei Jahren der Vorletzte gebrannt... wo wart ihr da? Ein Hexer hat sogar zugesehen und ist nciht eingeschritten." hielt er ihm vor.

Sindra verwandelte sich zurück. In sich selber. Reuven wusste, diese Anstrengung musste ihr eine ungeheure Menge Kraft kosten.
"Er hat mich gerettet. Hat mir das Leben gerettet. Und mich mitgenommen. Ich bin freiwillig bei ihm. Er ist das beste, was mir je passiert ist." Sie sah Clement mit großen Augen an.
"Clement, nicht wahr? Wisst ihr, dass Doppler nicht nur den Körper kopieren, sondern auch Erinnerungen? Und den letzten Gedanken?"

Clement beachtete sie zunächst nicht und ließ sie auch noch nicht los. "Was sagst du dazu Hexer. Es war einer von euch."
Reuven resignierte irgendwie. "Ich war es nciht und ich war nicht dabei."
"Folgt ihr nicht alle dem gleichen Kodex? Ich gebe euch einen Tipp, er trug einen Wolf um den Hals."
"Der weisse Wolf? Fuck... die haben irgendeinen Ehrenkodex... ich hätte ihn runtergeholt. Aber ich kam zu spät. Ich bemühe mich wirklich jene zu retten und zu bewahren, die friedlich sind."
Clement blickte nun Sebastien an, dann Sindra. "Ehe ich meinen Bruder frage, was er denkt. Was wollt ihr mir damit sagen?"

"Ich weiß, ihr wollt ihn gar nicht töten.", erklärte sie fest. "Ihr seid nicht böse."
Sie sah zu Reuven. "Und er sagt die Wahrheit. Ich schöre es euch. Ich gehe freiwillig mit euch. Nur bitte, lasst ihn gehen. Ihr wollt ihn doch gar nicht." Die Kleine schlug den Blick nieder und begann zu weinen.
Dummerweise war sie sich nicht sicher, was sie selbst betraf. Der Vampir hatte seltsames Interesse an ihr. Er wusste vielleicht nicht einmal selber, was er genau wollte.

Der alte Vampir war tatsächlich unschlüssig. Was sollte er mit einem Doppler, eigentlich hatte er das gleiche Interesse an ihm wie der Hexer - so er die Wahrheit sprach - ihn bewahren. Aber es ging um's Prinzip. Die beiden hatten sie bestohlen. "Also gut, dann kommen wir zu einem anderen Punkt. Warum habt ihr uns bestohlen? Um ein Pferd zu kaufen, das euch gar nichts nützt?" und er blickte seinen Bruder an.

Wieder ergriff Sindra das Wort. "Man hatte Reuven seine Schwerter gestohlen. Und als ich in der Bank stand, ist etwas mit mir durchgegangen. Ich war euer Bruder, Herr. Und in seinem Kopf ist gerade so viel..." Sie sah zu Sebastien.
"Er mag ein Mädchen. Und er ist..."
"Sei still!", brachte sie Sebastien zum Schweigen.
Der Doppler zog den Kopf zwischen den Schultern und schwieg kurzzeitig, sah verängstigt von einem zum anderen. "I-ihr könntet das Pferd als Anzahlung nehmen. Und ich arbeite den Rest ab." Tja...wohl für den Rest ihres Lebens.... "Ich lerne schnell."
"Und ich kann für euch sein ,wer immer ihr wollt."

Clement ließ ein wenig locker. "Ich kenne meinen Bruder." und er warf ihm einen durchdringenden Blick zu. "Was denkst du, Sebastien?"
Aber Reuven sprang ein. "Wenn ein Doppler jemanden kopiert nimmt er.... sie... egal... auch das Wesen an. Ich hab es erlebt. Sie hat es nicht lange ausgehalten. Doppler sind friedfertig, von sich aus... sie wäre nie auf die Idee gekommen. Sie wollte mir nur helfen, es ist richtig, meine Schwerter wurden gestohlen und sie sollten versteigert werden. Wir geben das Geld zurück, also was noch übrig ist. Und das Pferd."

Sebastien seufzte. "Mir reicht das Pferd. Und einen Schwur. Euren Schwur. Ihr schützt sie mit eurem Leben. Und geratet ihr in Schwierigkeiten die euren Horizont überschreiten, bringt ihr sie zu uns."

In der Hinsicht war Reuven vielleicht ein Spätzünder. Man konnte ihn nicht dumm nennen, er hatte eine Menge an Wissen auswendig gelernt, aber die richtigen Schlüsse zu ziehen dauerte mitunter. "Ihr wollt sie nicht leertrinken oder in eine exotische Sammlung sperren? Ihr wollt sie auch schützen?"
Nun ließ Clement doch das Mädchen los und applaudierte andeutungsweise. "Glückwunsch, er hat es doch am Ende noch begriffen." spottete er.
"Fuck." War das einzige was dem Hexer einfiel. Er blickte Sindra an. "Gut, meinetwegen."
Und dann fiel ihm noch etwas ein. "Und wo finde ich euch?"

"Na, etwas mehr Stil hätte ich euch schon zugetraut.", schmollte der Vampir.
Er kam auf Reuven zu. "Eure Hand, Bitte."

Reuven runzelte nur die Stirn. Er glaubte nciht an solchen Unsinn, aber gehorsam hob er seine Hand. Das waren Vampire, sie würden überleben, beide, ein geringer Preis, und er war mittlerweile bereit, jeden Preis zu zahlen.

Sebastien hielt das Handgelenk des Hexers mit einem Griff wie eine stählerne Klammer fest, klemmte den Gehstock zwischen die Füße, zog am Griff.
Ein leises Singen. Ein Stilett. Natürlich.
Mit einem kurzen, präzisen Schnitt fügte er dem Hexer eine oberflächliche Wunde zu, die gleich heftig blutete.
"Schwört.", befahl er düster.
Der Vampir konzentrierte sich. Der Schwur und das Getue drum herum waren Spielerei, aber wenn der Hexer es GLAUBTE....

"Ach scheiße... beim... ähm... Bei Kreves Locken, ich schwörs."
Er war klar, ganz ernst nahm er es nciht, aber er wollte auf Nummer sicher gehen. Wer konnte schon wissen...
Clement schüttelte den Kopf, nahm das Handgelenk an sich, leckte einmal darüber. Seine Augenbrauen wanderten in die Höhe. "Hm... ein sehr guter Jahrgang."
Ein wenig mulmig war dem Hexer. Mit hohen Vampiren war nicht zu spaßen. An Götter glaubte er nicht, aber wer konnte schon genau wissen, wie deren Magie und deren Kräfte funktionierten? Respekt? Ja, den hatte er, und zwar nciht zu gering. Auch wenn er das nie im Leben zugeben würde.

"Ihr könnt gehen. Der Hengst ist ein Prachtstück."
Natürlich. Davon wussten sie auch schon. " Sebastien ging einen Schritt, verbeugte sich vor Sindra und gab ihr einen eleganten Handkuss. "Exzellente Wahl." Wobei er das Kompliment ungeniert sich selber gab. Sindra selber hätte den Rappen niemals gewählt.
"Ich hoffe wir haben euch nicht zu sehr erschreckt."
Sindra starrte ihn nur kreidebleich an.
Sebastien nickte Reuven zu und drehte sich um, um in Richtung Stall zu gehen.

Und Clement ließ ebenfalls den Hexer los und folgte seinem jüngeren Bruder ohne einen weiteren Kommentar. Beide verschwanden in der Nacht.
Zurück blieb der Hexer und der Doppler. "Scheiße..." brachte Reuven nur heraus. "Vampire mag ich nicht." Er hielt sich das Handgelenk, dass immer noch blutete. Die Zuge des Alten Vampirs, der darüber leckte würde er so schnell nicht vergessen. "Mit dir alles in Ordnung?"

Sindras Knie zitterten so sehr, dass sie sich auf den schmutzigen Boden plumpsen ließ. "Ich hab Hunger."

Indessen klopfte Clément seinen Bruder auf die Schulter. "Gute Idee mit dem Blut. Und du hättest echt kosten sollen. Der war wirklich gut. Einer der letzten Jahrgänge würde ich vermuten. Nowigrad, Osthang. Aber 'Kreves Locken'... den hab ich auch noch nicht gehört." Und er schüttelte den Kopf und sie zogen ihrer Wege. Das Pferd führten sie mit sich.

Reuven blickten den beiden Vampiren nach und dem Pferd. Man konnte sagen, es war nochmal glimpflich ausgegangen. Er rieb sich das Handgelenk, die Blutung hatte nun aufgehört. Was auch immer er versprochen hatte... ganz begriff er selbst nicht was geschehen war. Er blickte zu Sindra. "Und ich habe definitiv noch nicht genug getrunken. Aber ich geh nicht nochmal in die Taverne... wir besorgen uns Schnaps und Fleisch und suchen uns eine ruhige Ecke im Wald."

"Und Käse?" Sindra rappelte sich umständlich auf. Ihre Knie bestanden noch immer aus Pudding. "Und Kekse?"

"Alles was du willst und was man kaufen kann. Aber auch wenn sie uns das Geld gelassen haben, wir dürfen es nicht sinnlos verschleudern."

"Ich kann Geld verdienen!", erklärte Sindra arglos und klopfte sich den Schmutz von der Kleidung.
Sie kam auf Reuven zu und sah auf sein Handgelenk. "Tut es weh, Herr?"
Und weg war es, das vertraute "du".

"Nein, geht schon. Dafür bin ich gemacht worden, sowas wegzustecken. Aber nenn mich lieber wieder bei meinem Namen, Reuven... wie zuvor. Ich denke, wenn du mich immer 'Herr' nennst versucht bald der nächste dich vor mir zu retten... wie dieser Ritter und sein Soldat. Oder vielleicht suchen wir nach einer etwas älteren Frau... Hm." er war selbst nicht ganz entschlossen. "Aber zuerst etwas zu Essen."

Sie nickte eifrig. Gähnte, unterließ es aber vollständig die Hand vor den Mund zu nehmen und präsentierte ihre weißen Zähnchen. Gleichzeitig knurrte ihr Magen.
Das wirkte überaus befremdlich. Als hätte sie versucht einen Wolf nachzuahmen.
Sie legte eine Hand auf den Bauch. "Muss ich mich heute noch verwandeln?", nuschelte sie undeutlich.

"Nein, wegen mir nicht... komm erstmal..." sie kaufen in einer anderen Taverne - es blieb nur noch der goldene Ochse übrig - Wurt und Käse und Gebäck und eine Flasche Schnaps und etwas Brot zu vollkommen überzogenen Preisen, aber es war Nacht, das Angebot war also Konkurrenzlos, und machten sich dann auf den Weg aus der Stadt heraus. Heraus kam man zu fast jeder Tages und Nachtzeit, allerdings nciht mehr hinein. Reuven war das egal, er wollte nur noch seine Ruhe haben.
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